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Hier ein Bericht aus der Zeitschrift “BlickwinKL” Ausgabe Mai/Juni 2007
Silke Westrich
Kurze, dunkelblonde Haare, ein freundliches Lächeln und die schlanke Statur lassen nicht auf den
ersten Blick erkennen, was in der 38-jährigen Frau steckt. Sie beschäftigt sich mit einem Thema, das bei vielen von uns Ängste, Unsicherheiten und Fragen auslöst. Es geht um Gewalt. Gewalt gegen Kinder und
Erwachsene und darum, wie ich mich und mein Kind schützen und im Ernstfall verteidigen kann. Silke Westrich aus Otterbach unterrichtet Kinder und Erwachsene, um sie davor zu bewahren Opfer zu werden.
Als 19-jährige kommt Silke Westrich 1987 zum ersten Mal in Kontakt mit Jiu Jitsu, der japanischen,
sanften Kunst der Selbstverteidigung. In dieser Sportart wird der Angriff des Gegners genutzt, um ihn durch Wurf-, Griff- und Schlagtechniken abzuwehren und ihn schließlich zu kontrollieren. Ein Jahr später ist sie
Gründungsmitglied des Zen Bogyo Do e.V., dem Otterbacher Kampfkunstverein. Der Anstoß für das Leiten von Selbstverteidigungskursen kommt von Elvira Schlosser, der Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises
Kaiserslautern. An Kreisvolkshochschulen hält Silke Westrich die ersten Kurse ab, zunächst noch gemeinsam mit ihrem Ehemann Harald, der ebenfalls als Jiu Jitsu-Trainer tätig ist. Dass die Resonanz so positiv sein
könnte und zahlreiche Gemeinden mit Anfragen an sie herantreten würden, damit hatte das Paar nicht gerechnet. Erstaunt stellten die beiden fest, wie groß das Interesse an diesem Thema ist und dass Erwachsene und
Kinder lernen wollten, wie man sich verteidigt und wehrt.
Die junge Frau nimmt an sportlichen und pädagogischen Fortbildungen teil, erhält den dritten Dan vom
Deutschen Jiu Jitsu-Bund, erwirbt Kenntnisse über die Verhaltenspsychologie der Täter und bildet sich auf dem Gebiet der Gewaltprävention und Erlebnispädagogik weiter. Durch den Austausch mit Sozialarbeitern,
Polizisten und ihren Schülern erweitert sie die Inhalte und entwickelt vollständige Konzepte für Selbstbehauptung, Kindersicherheitstraining und Gewaltprävention. 1998 wird sie für ihr außergewöhnliches Engagement
von der Zeitschrift „Brigitte“ und dem Deutschen Sportbund zur Bundessiegerin des Preises „Frau im Sport“ gewählt.
Wo Eltern manchmal die Worte fehlen, wo sie keine Ängste der Kinder schüren wollen oder auch ratlos
und unsicher sind, hilft Silke Westrich weiter. In einer kind- und altersgerechten Sprache redet sie offen und spricht aktuelle Themen direkt an. Dabei geht sie auf die Kinder ein, lässt sie Fragen stellen und
beantwortet sie in einer einfühlsamen Weise. Ihre Kurse sind in Altersgruppen unterteilt, denn Grundschulkinder stehen vor anderen Situationen als Jugendliche.
Realistische Szenen spielt sie anhand von Zeitungsausschnitten durch und übt sich zu behaupten, eine
Situationen einzuschätzen und sich bei Bedarf auch zu verteidigen mit Lockerungstechniken, einer Abwehr und dem situationsbedingten Abschluss. Aber immer zeigt sie einen Weg hinaus. „Lösungen sind das Wichtigste“,
erklärt Silke Westrich. „Ich will den Kindern keine Angst machen, sondern ihnen und ihren Eltern Lösungen anbieten, um mit Gefahrensituationen umgehen zu können.
“Für Grundschulkinder und deren Eltern hat
sie das Konzept „Starke Kinder sagen Nein“ entwickelt. Was tue ich, wenn ein Auto neben mir anhält, wenn es klingelt und ich bin alleine zuhause? Alltägliche Situationen erarbeitet sie gemeinsam mit den Kindern,
stellt Regeln für ihre Sicherheit auf und ermutigt dazu selbstbewusst aufzutreten. Sie weiß, dass ein Angreifer immer ein Opfer sucht und keinen Gegner: „Er denkt, mit dem oder der kann ich das machen, aber wenn
sich das Opfer wehrt, ist er überrascht und flüchtet. Täter haben das Opferverhaltensmuster im Kopf und Gewalt lässt sich oft schon dadurch vermeiden, dass man sich wehrt.“
Ihre Seminare, Vorträge, Info- und Elternabende hält sie in Volkshochschulen, Grund- und
weiterführenden Schulen und Kindergärten. Sie informiert, berät, klärt auf und teilt Unterlagen aus, die gespickt sind mit Tipps, Broschüren, Literatur- und Telefonlisten von Organisationen, die Unterstützung und
Hilfestellung anbieten.
Unterwegs ist sie an Wochenenden, Vormittagen und Abenden, aber der Nachmittag gehört ihren beiden
acht- und 13-jährigen Söhnen. Dazwischen trainiert die energiegeladene Frau vier Gruppen des Zen Bogyo Do e.V., ist Geschäftsführerin und Schatzmeisterin und erledigt die Schreibarbeiten des Vereins. Familie,
Haushalt, Beruf und Verein unter einen Hut zu bringen, ist nicht immer leicht und erfordert einiges an Organisationstalent. Dass die Zeit für sie fast immer zu kurz kommt, bedauert sie zwar, aber ihre Arbeit ist ihr
ungemein wichtig: „Durch sie kann ich Kindern helfen und verhindern, dass ihnen etwas passiert. Wenn ich dann erlebe, wie die Kinder Ängste und Unsicherheiten ablegen und lernen sich zu wehren, motiviert mich das
ungemein“, erzählt die zweifache Mutter.
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